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09:34h, Samstag 11.02.2012
Ausstellungseröffnung am 12. Februar im Wewelsburgsaal
Gedenken an nationalsozialistisches Unrecht
09:34h, Samstag 11.02.2012
Ausstellungseröffnung am 12. Februar im Wewelsburgsaal
Gedenken an nationalsozialistisches Unrecht
Kreis Paderborn. „An das Rote Kreuz, Genf. Ich bitte Sie hiermit recht höflichst, die Adresse meiner Eltern ausfindig zu machen. Sie waren zuletzt in Zbaszyn an der polnischen Grenze. Das war das letzte, was ich von ihnen hörte." Susi Schmerler, eine junge Frau aus Bochum, schrieb diese Zeilen im Herbst 1939. Dieses Schicksal ist eines von 16 Lebensläufen aus Westfalen, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in der Wanderausstellung "Verwischte Spuren. Erinnerung und Gedenken an nationalsozialistisches Unrecht in Westfalen - eine biografische Suche" nachzeichnet. Vom 12. Februar bis 15. April ist die Sonderausstellung im Burgsaal der Wewelsburg zu sehen. Als Susi Schmerler ihren Brief an das Rote Kreuz schrieb, lebte sie bereits in Palästina. Von ihrer Familie hatte sie seit Kriegsbeginn keine Nachricht mehr erhalten. Als Juden ohne deutsche Staatsangehörigkeit waren sie im Oktober 1938 deportiert und interniert worden. Ihre Spur verliert sich im Ghetto von Krakau. Gedenkstätten und Museen möchten an diese Schicksale erinnern und einen Beitrag zur Demokratieerziehung leisten. Spuren in Form von Biografien tragen dazu bei, Leiden und Gewalt zu verankern und bilden damit eine wichtige Säule in der Vermittlung. In Westfalen bilden weniger prominente Lebensläufe die Grundlage des regionalen Gedenkens. Auf Stolpersteinen, Gedenktafeln, aber auch in Straßen- sowie Schulnamen werden sie besonders sichtbar. Sie stehen repräsentativ für die Schicksale Vieler, oft Namenloser. Ihre Geschichten und ihr Leid fordern dazu auf, nachzufragen, hinzuschauen. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl solcher Biografien, zeichnet Lebenswege nach und leistet damit einen Beitrag gegen das Vergessen in einer Phase, in der immer mehr Zeitzeugen versterben und damit verstummen. Nach ihrer offiziellen Eröffnung am 12. Februar ist sie ab 15 Uhr für alle Besucherinnen und Besucher geöffnet. Das Kreismuseum Wewelsburg hat zur Sonderausstellung „Verwischte Spuren“ ein Begleitprogramm erarbeitet. Am Sonntag, den 19. Februar um 15 Uhr findet eine öffentliche Führung für Erwachsene statt. Am Sonntag, den 11. März um 15 Uhr wird die Lesung „Empfänger unbekannt“ von Kressmann Taylor mit Schauspielern des Theaters Paderborn-Westfälische Kammerspiele angeboten. „Empfänger unbekannt“ ist ein berührendes Briefdrama über das Zerbrechen einer Freundschaft während des Nationalsozialismus. Die Pädagogen des Kreismuseums Wewelsburg haben zudem ein museumspädagogisches Programm für Schülerinnen und Schüler ab der Klasse 9 erarbeitet. Dieses besteht im Kern in einer Führung durch die Ausstellung in Kombination mit einem Besuch der neuen Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg. Im Rahmen dieses Programms wird auch die Lesung „Empfänger unbekannt“ für Schulen am Dienstag, den 20. März, Mittwoch, den 21. März sowie Dienstag, den 27. März angeboten. Diese Schulangebote sind kostenlos und können ab sofort unter der 02955/7622-0 (Kreismuseum Wewelsburg) gebucht werden. Die Wewelsburg im Internet: www.wewelsburg.de. Bildinformation zur Jacke "Adolf Donder": Spuren in Westfalen: Im Ausstellungsteil "Fundstücke" wird die Jacke des KZ-Häftlings Adolf Donder gezeigt. Donder musste fast drei Jahre im Konzentrationslager Niederhagen/Wewelsburg verbringen und wurde im Mai 1945 in Ravensbrück befreit. Die Jacke ist ausgebreitet auf dem Appellplatz des ehemaligen KZ Niederhagen, der heute weitgehend unbebaut ist. In der Mitte des Platzes wurde am 2. April 2000 ein Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer des Konzentrationslagers eingeweiht. Die Natursteine stammen aus einem nahe gelegenen Steinbruch, in dem auch die Häftlinge arbeiten mussten.
michael.johannsmeier
Der Beitrag wurde am Samstag, dem 11. Februar 2012 um 09:34 Uhr veröffentlicht und wurde unter Lokales, Startseite abgelegt.
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