17:11h, Donnerstag 16.02.2012
Handwerk zieht positive Bilanz des Jahres 2011
Fachkräftemangel kann Wachstumsbremse werden
Bielefeld. Das ostwestfälisch-lippische Handwerk blickt auf das erfolgreichste Wirtschaftsjahr seit der deutschen Einheit zurück. Der Umsatz der rund 21.000 Betriebe mit 145.000 Beschäftigten sei im Jahr 2011 um fünf Prozent auf 14,7 Milliarden Euro gestiegen, bilanzierte Handwerkpräsidentin Lena Strothmann am Donnerstag in Bielefeld. Die Betriebsinhaber seien in bester Laune, die Auslastung der Unternehmen sei bei steigenden Umsätzen gestiegen.
Das vergangene Jahr habe im Zeichen einer guten Konjunktur gestanden, sagte Strothmann. Vor allem die Bau- und Ausbauhandwerker berichteten dank öffentlicher Aufträge von vollen Auftragsbüchern. Angesichts der Schuldenkrise steckten viele Bundesbürger ihr Geld in bleibende Werte wie Immobilien. Auch das Metallgewerbe habe als Zulieferer für die Industrie vom Wirtschaftswachstum profitiert. Für das laufende Jahr erwartet die Kammerpräsidentin eine weiter positive Konjunkturentwicklung mit mehr Umsätzen und Erträgen sowie steigenden Investitionen. Sollte nur die schon vorhergesagte Konjunkturdelle im ersten Halbjahr kommen, sei derzeit von einem Umsatzplus in Höhe von eineinhalb Prozent auszugehen.
Die Entwicklung auf dem handwerklichen Arbeitsmarkt sei im vergangenen Jahr sehr stabil verlaufen, betonte Strothmann und verwies auf einen leichten Anstieg der Beschäftigtenzahl von 3,6 Prozent. Im Jahr 2012 könne es weitere Verbesserungen geben, sofern die notwendigen Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt gefunden werden. Den sich abzeichnenden Fachkräfte- und Nachwuchsmangel bezeichnete die Präsidentin als "Wermutstropfen". Für betriebliche Ausbildung müsse noch mehr geworben werden. Strothmann: "Wir wollen verstärkt Realschüler und Gymnasiasten, aber auch Mädchen und Jugendliche mit Migrationshintergrund gewinnen."
Fast 21.000 Handwerksbetriebe in der Region
Die meisten Neugründungen bei den Friseuren
Die Gesamtzahl der Handwerksbetriebe in Ostwestfalen-Lippe hat sich 2011 kaum verändert. Mit 20.888 Unternehmen (2010: 20.943) sei "die Gesamtzahl bei inneren Umschichtungen nahezu konstant geblieben", sagte Michael Heesing, Hauptgeschäftsführer der Bielefelder Handwerkskammer, bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Bielefeld.
Im Vollhandwerk hat die Anzahl der Betriebe im Jahr 2011 von 14.407 (31.12.2010) auf 14.254 Unternehmen (-1,06 Prozent) leicht abgenommen. Die meisten Neugründungen gab es bei den Friseuren (+111), allerdings wurden auch 97 Friseurbetriebe gelöscht. Bei den zulassungsfreien Handwerken gab es die meisten Zugänge bei den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern (+206). Die zeitstärkste Gruppe waren 2011 die Fotografen mit Zugängen in Höhe von +75. Insgesamt ist bei den zulassungsfreien Handwerken ein Plus von 3,75 Prozent zu verzeichnen.
Im Jahr 2011 hat die Handwerkskammer 81 Ausnahmebewilligen erteilt. Damit erhalten Personen, die keine Meisterprüfung abgelegt haben, die Möglichkeit, sich im Vollhandwerk selbstständig zu machen. 51 Antragsteller mussten eine Sachkundeprüfung ablegen. Für Angehörige der EU-Staaten und sonstige Ausländer wurden neun Ausnahmebewilligen erteilt.
Im vergangenen Jahr wurden 77 Insolvenzverfahren in der Handwerkskammer erfasst, 24 weniger als im Vorjahr. Die positive Entwicklung zeigt, dass 2011 für das Handwerk in der Region "ein gutes Jahr" war und sich unbeeindruckt zeigt von den welt- und finanzwirtschaftlichen Turbulenzen.
michael.johannsmeier
Der Beitrag wurde am Donnerstag, dem 16. Februar 2012 um 17:11 Uhr veröffentlicht und wurde unter Startseite, Lokales abgelegt.
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