13:02h, Sonntag 05.02.2012
Johanniter qualifizieren junge Rettungssanitäter
"Büffeln" im Ehrenamt
Blomberg. Angesichts leerer Stadtsäckel, wird ehrenamtliches Engagement vor
Ort immer wichtiger. Doch in vielen Vereinen fehlen besonders junge
Menschen, die sich dauerhaft engagieren. Bei den Blomberger Johannitern ist
das anders. Kirsten Waltemate (24) und Jannik Reue (19) drückten für ihr
Ehrenamt noch einmal die Schulbank – 500 Stunden lang.
Der Lohn der Mühen: Beide legten erfolgreich ihre Prüfungen zum
Rettungssanitäter ab, Kirsten Waltemate gar mit Bestnote. Mit diesem
Abschluss dürfen sie qualifizierte Krankentransporte übernehmen und in der
Notfallrettung mitwirken. Ihre „Feuertaufe“ haben beide schon hinter sich:
Sie versorgten zusammen mit ihren Kollegen die 13 Verletzten beim schweren
Verkehrsunfall Mitte Januar auf der B1 am „Waldschlösschen“ in Horn.
Die psychische Belastung ist für Rettungskräfte in solchen Situationen hoch,
zumal wenn Kinder in die Unfälle verwickelt sind. „Trotzdem darf man das
nicht zu nahe an sich heranlassen“, erläutert Kirsten Waltemate. „In dieser
Situation muss man erst einmal funktionieren.“ Und Jannik Reue ergänzt:
„Hinterher hilft oft das Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen, um damit
umgehen zu können.“
In ihrer Ausbildung sind die beiden jungen Johanniter auf solche und
ähnliche Situationen vorbereitet worden – nicht nur theoretisch. 160 Stunden
verbrachten sie auf der Lehr-Rettungswache der Johanniter-Unfall-Hilfe in
Blomberg und auf dem dort stationierten Rettungswagen (RTW). Weitere 160
Stunden Ausbildung fanden in der Notaufnahme, auf der Intensivstation und im
OP des Detmolder Klinikums statt. Außerdem besuchten Reue und Waltemate die
Johanniter-Akademien in Münster und Hannover.
Jannik Reue trat nach einem Schulpraktikum schon mit 14 Jahren der JUH bei:
Erste-Hilfe-Kurs, Sanitätshelfer und dann die Ausbildung zum
Rettungssanitäter. Jedes Jahr absolviert er im Ehrenamt rund 300 Stunden bei
Dienstabenden und Sanitätseinsätzen wie großen Sportveranstaltungen oder dem
Schwalenberger Trachtenfest. Freunde verloren habe er angesichts des hohen
Zeitaufwandes nicht“, sagt der Blomberger. „Ich habe hier eher neue Freunde
gefunden.“
Kirsten Waltemate engagiert sich bei den Johannitern, seit vor drei Jahren
ein naher Familienangehöriger einen Infarkt erlitt. „Und ich konnte nicht
helfen. Das sollte mir nicht wieder passieren“, beschreibt sie ihre
Motivation. Nach ihrer Ausbildung zur Rettungssanitäterin, geht sie jetzt
mit einem noch besseren Gefühl in die Sanitätseinsätze. „Ich weiß, ich bin
sehr umfassend ausgebildet. Das gibt Sicherheit.“
Wie lange Waltemate und Reue den Blomberger Johannitern noch als
Ehrenamtliche zur Verfügung stehen, ist jedoch unklar. Beide wollen künftig
als Rettungsassistenten hauptamtlich für die Johanniter tätig werden. Dafür
müssten sie dann noch einmal die Schulbank drücken. Winfried Kipke,
Ortsbeauftragter der JUH Blomberg sieht’s gelassen: „Viele unserer
Rettungsassistenten arbeiten mittlerweile auch ehrenamtlich für uns. Das
könnte ich mir bei den beiden auch gut vorstellen.“
michael.johannsmeier
Der Beitrag wurde am Sonntag, dem 05. Februar 2012 um 13:02 Uhr veröffentlicht und wurde unter Lokales, Startseite abgelegt.
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